Offener Brief
Ein offener Brief von einem Studierenden an die Verantwortlichen der UB:
Sehr geehrte Frau Siebert, Herr Crass, Herr Wolf.
Der regionalen Presse war kürzlich zu entnehmen (terz), daß die vor einiger Zeit von Ihnen angeschaffte Buchrücknahmemaschine nicht unbedingt so reibungslos arbeitet, wie man es sich wünschen würde.
Man konnte lesen, die Maschine würde Bücher durch das abrupte Fallenlassen vom Transportband in die Sammelwannen unterhalb dieses Bandes beschädigen.Durch diese Berichte aufmerksam geworden habe ich mir den Vorgang des Transports über das Laufband in die Wannen hinein einige Male von einem seitlichen Standpunkt aus, der das Geschehen hinter dem Rücknahmeschalter gut erkennen läßt, angesehen.
- Geschwindigkeit des Laufbandes wie auch das jähe Fallenlassen der Bücher durch die Klappen in dem Band lassen in der Tat nicht auf eine pflegliche Behandlung schliessen.
- Die Grundfläche einer Wanne ist wesentlich größer, als die Abmessungen von Büchern.
- Die Maschine befördert die Bücher exakt in der Lage und von der Position aus, welche das Buch auf dem Laufband hatte, in die Wanne hinein. Sie ist nicht in der Lage, ein Buch an einer jeweils bestimmten Stelle der Wanne, an der noch ausreichend viel Raum für dieses Buch besteht, zu platzieren.
Die aufgeführten Beobachtungen können nur zu der Überlegung führen, daß die Bücher nicht zuletzt aufgrund ihrer stark differierenden Eigenschaften (Größe, Dicke und Masse) letztenendes eine ungeregelte Lage in der Wanne einnehmen.
Spätestens wenn das geschehen ist, dürfte es zunehmend wahrscheinlicher werden, daß neu in die Wanne fallende Bücher in diese (nicht horizontal liegenden Bücher) hineinstürzen müssen und es also zwangsläufig zu Beschädigungen an Einband und Seiten kommt.
Aufgrund der Masse eines Buches, Geschwindigkeit des Laufbandes, der Fallhöhe in die Wanne hinein sowie des freien Weges des Buches innerhalb der Wanne dürfte generell ein Aufklappen oder das beschädigende Eindringen von „Neuankömmlingen“ in bereits deponierte Bücher eher der Regel als einer Ausnahme zu entsprechen.Nun stellt sich nicht zuletzt in Anbetracht Ihres knappen Budgets, welches die Beschaffung aktueller Fachbücher (Bestellstop für „Monographien“) bereits seit einiger Zeit nicht zuläßt (WZ) und zur Schließung von Fachbibliotheken ebenso wie zur Entlassung von UB-Angestellten, mit der Folge einer übermäßigen Belastung der verbliebenen Angestellten, führt, die Frage, wie es möglich ist, daß einerseits der Sparzwang zu diesen gravierenden, Lehre wie Forschung empfindlich treffenden, Kürzungen führt, andererseits jedoch leichtfertig teure technische „Neuerungen“ eingeführt werden, die in diesem speziellen Fall aufgrund immanenter Mängel prinzipbedingt ebenso unvermeidbare wie überflüssige Folgekosten nach sich ziehen?
Wo neue Bücher nicht beschafft werden können, sollte es da nicht oberstes Gebot sein, die bereits vorhandenen so pfleglich wie möglich zu behandeln?
Die negativen sozialen Folgen (Entlassung, Arbeitslosigkeit) der Einführung dieses Automaten für eine Reihe von Beschäftigten der UB sollen nur am Rande wenigstens Erwähnung finden.
Konkret zum Thema der beschädigten Bücher stellt sich die Frage, ob, und falls ja welche, Maßnahmen ihrerseits zur Behebung geplant sind? Besteht die Möglichkeit einer Reklamation des offenkundig mangelhaften Gerätes?Welche Maßnahmen, die dazu führen, daß die Bücher nicht mehr beschädigt werden können, sind ihrerseits in Planung?
Es wäre sehr schön von Ihnen hierauf eine Antwort zu erhalten.
mfg
Jo Busch