Dies Academicus vs. Tag der Studierenden
“War heute was in der Uni?”
- “Keine Ahnung.”
Dies Academicus war. Dies was? Dies Academicus. Der Tag der Studierenden in der Originalversion.
Vor vielen Jahren hatten nämlich AStA und Fachschaften durchgesetzt, einen Tag lang das Programm an der Uni gestalten zu dürfen. Abseits des normalen Uni-Alltags wollten die Fachschaften Vorlesungen und Veranstaltungen organisieren und durchführen, die Student und Studentin nicht nur auf Grund von Lehrplänen sondern auf Grund ihrer interessanten Inhalte besuchten.
Lange ist es her.
Mittlerweile ist der Dies Tod. Das wenige Programm, dass es in diesem Jahr gab, bestand zum Teil aus kostenlosem Glühwein oder Studienfachberatung, die die betreffenden Fachschaften sowieso leisten sollten. Vorlesungsfrei gab es schon mal gar nicht.
Und was ist daran so schlimm?
Schlimm ist, dass man mal wieder eine Errungenschaft der StudentInnen einfach so den Bach runtergehen lässt. Aber die Errungenschaft des gebührenfreien Studiums ist uns ja schließlich auch wieder genommen worden. Wen juckt es da, dass der Dies Academicus der Bedeutungslosigkeit verfällt?
Den Rektor kümmert es scheinbar
Nicht, dass ich jetzt dem Rektor unterstellen will, der Rektor würde sich um die Studierenden sorgen. Nein, so üble Wahrnehmungsprobleme habe ich nicht — glaub’ ich.
Aber im Sommer steckte der Rektor mehrere Tausende Euro in ein Projekt mit dem Namen “Tag der Studierenden”. Er gab einen Tag lang Vorlesungsfrei, beauftragte StipendiatInnen damit, einen Tag völlig frei zu gestalten und stellte ihnen die nötigen logistischen und monetären Mittel zur Verfügung, um den ersten Tag der Studierenden unter dem Motto “Ball und Birne” zum vollen Erfolg werden zu lassen.
Was sich auf den ersten Blick wie eine Wohltat des Rektors darstellt, kann man auch als Angriff auf die verfasste Studierendenschaft werten. Von vielen kritischen FachschaftsrätInnen wurde das Verhalten des Rektors als ein Versuch gewertet, zu beweisen, dass man auch ohne AStA und Fachschaften interessante kulturelle und gesellschaftliche Veranstaltungen auf die Beine stellen kann.
Den Beweis konnte der Rektor nicht erbringen, da am Ende die allermeisten Projekte von FachschaftsrätInnen und AStA-ReferentInnen auf die Beine gestellt worden sind. So konnte man zum einen Geld des Rektors nutzen, und zum anderen den Stipendiaten aus der Patsche helfen, den Tag alleine zu veranstalten.
Jedoch blieb der Eindruck bestehen, dass die Uni-Veranstaltung, die schon Monate im voraus auf A1-Farbplakaten beworben wurde, viel besser war, als die heutige studentische Veranstaltung des Dies Academicus.
Und wenn man dem Rektor unterstellt, er wolle die verfasste Studierendenschaft abschaffen, dann muss man eigentlich als AStA jede Gelegenheit nutzen, um zu beweisen, dass diese nicht der Bedeutungslosigkeit verfallen ist.
Gerade vor diesem Hintergrund verstehe ich nicht, weshalb man in diesem Jahr nicht ordentlich bei den Fachschaften dafür geworben hat, Energie in den Dies Academicus zu stecken. Weshalb nicht durchgesetzt wurde, dass vorlesungsfrei empfohlen wird, und warum man nicht genügend Mittel des AStA benutzt hat, um den Dies mindestens so gut zu bewerben wie den Tag der Studierenden.
Vielleicht ist der Vorstand einfach überfordert. Vielleicht haben Sie einfach verpeilt, dass der Dies auch schon wieder ist.
Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ihnen der Überblick für die Vorgänge an diesem Campus fehlt, und dass Diskussionen, die man im Sommer schon ein Mal (auch über die Campus Delicti) geführt hat, nicht bis zum Winter im Gedächtnis bleiben.