Post von einem JuSo

Wie bereits angekündigt, hier die Mail von Björn Wörffel die ich in den Winterferien erhalten habe und die entsprechende Antwort.

Da freut man sich doch wenn man zu Hause ist und eine Mail im Postfach hat. Björn Wörffel von der JuSo-HSG hat sich bei mir gemeldet. Und da er eine Antwort haben wollte habe ich gefragt, ob ich diese auf AStA-Watch geben darf. Damit war er einverstanden.

Und auch auf die Gefahr, dass dies ein ziemlich langer Beitrag wird, werde ich die gesamte Mail Posten damit keiner glaubt ich würde Dinge zitieren und völlig aus dem Zusammenhang reißen.

Moin Carlos,

ich habe gerade Deine FAQ auf “AStAWatch” gelesen (überarbeite sie nochmal auf Rechtschreibfehler!). Ich will Dir in diesem Zusammenhang meine Anerkennung für Deine Seite auszusprechen. Mir ist es zwar mit meiner sozialdemokratischen Überzeugung ernst und ich stehe solidarisch zu diesem AStA-Vorstand. Insoweit kommen wir also bestimmt nicht überein. Dennoch finde ich Deine Texte gut recherchiert, faktenreich und unterhaltsam. So sollte hochschulpolitische Arbeit aussehen. Mir war auch sofort klar, dass AStAWatch keine MSB-Subseite ist. Es besteht schon ein beträchtlicher Unterschied zu der verlogenen Prosa, die der MSB zur Wahl des neuen Vorstands auf seiner Seite publiziert hat (”Putsch an der Uni”) und die übrigens inzwischen teilweise gelöscht wurde.

Ja, meine Rechtschreibung ist echt bescheiden (Milde Ausgedrückt Alter!). Bei den Komplimenten für AStA-Watch ahne ich böses für den Rest der Mail. Und so geht es dann auch sofort los von verlogener Prosa des MSB zu sprechen. In dem Artikel wurde kritisiert, dass die JuSo-HSG lieber mit der liberalen Hochschulgruppe koaliert als mit einer linken Hochschulgruppe wie dem MSB Spartakus was einen Rechtsruck darstellt. Diese Kritik kann man teilen oder nicht, ist dennoch legitim. Auch das Anzweifeln der formalen Richtigkeit bei der Wahl des AStA-Vorsitzenden war legitim.

Überhaupt will ich zum MSB noch einen Takt sagen: Ich stehe zwar politisch woanders, dennoch ist eine links- bis linksaußen-Gruppe für mich kein rotes Tuch. Insbesondere die beiden Steffen Arns-Vorstandsjahre fand ich ziemlich gut und wenn man mal von Buchladen und “Terz” und einigen weiteren Kleinigkeiten absieht, hat der MSB nach meinem Eindruck aus dem Finanzprüfungsausschuss auch nicht allzu viel Geld durchgebracht; unsere Prüfberichte zu den Haushaltsjahren 2003/03 und 2004/05 lesen sich entsprechend freundlich.

Was willst du damit andeuten? Hat der MSB jetzt mit dem Geld der Studierenden korrekt gehandelt oder nicht? Wenn nicht, dann solltest keine “freundlichen” Prüfberichte unterstützen, und falls doch, dann wäre ich in Zukunft vorsichtiger, was solche Formulierungen wie “nicht allzu viel Geld durchgebracht” angeht.

Ein Problem stößt mir dennoch sehr auf und das ist das Verhältnis des MSB zur Gewalt. Auf den beiden letzten SP-Sitzungen häuften sich die Ausraster und mehr oder weniger sublimierten Gewaltdrohungen. M [*] hatte wohl auf der vorletzten Sitzung einen ganz schlimmen Ausfall (ich weiß es nur vom Hörensagen, weil ich die Sitzung vorher verlassen habe) und hat sich im Nachhinein entschuldigt. Steffen Arns, der wohl keiner Fliege etwas zuleide täte, ist ebenfalls auf der vorletzten Sitzung zweimal aus der Rolle gefallen. S. [*] hat sich auf beiden Sitzungen zweimal mit rhetorischen Gewwaltandeutungen hervorgetan und diese üble Nummer mit dem Pressereferatsfotografen durchgezogen. Auch wenn dem Fotografen kein Haar gekrümmt wurde, war das in meinen Augen eine klare Grenzüberschreitung.

Lieber Björn, ich fand es ja höchst Amüsant, dass in der Campus Delicti so getan wird als sei der MSB ein Haufen gewaltbereiter Irrer. Jemand der bei den entsprechenden Sitzungen nicht dabei war, mag dieses vielleicht sogar glauben. Aber anzunehmen, ich würde diese Gewaltphantasien glauben obwohl ich bis zum Schluss anwesend war beleidigt mich zutiefst. Obwohl ich zugeben muss, dass der Auftritt von M. sehr peinlich war (es ist halt sehr laut geworden als im Matheisen ins Wort fiel und forderte gutes Benehmen ein), so war es in keinster Weise ein Gewaltausbruch oder eine entsprechende Drohung.
Ebenfalls hat S. in nicht mit Gewalt gedroht. Hier wird sich über eine zugegebenermaßen dumme Formulierung dermaßen aufgeregt, dass sich jedem der Anwesenden sofort das politische Kalkül erschließt, das sich hinter dieser Aufregung verbirgt.
Über die “üble Nummer mit dem Pressereferatsfotografen” zu schreiben ist mindestens genau so lächerlich.

Ich kann nur sagen, dass ich persönlich Gewalt im politischen Kontext kategorisch ablehne und - sofern der MSB diesbezüglich ein anderes Bild verbreitet - jederzeit nur ein strikt defensives Verhalten an den Tag gelegt habe. Daher meine Frage an Dich: Warum verschweigt AStAWatch das Thema Gewalt? Warum lese ich auf Deiner Seite nicht, dass sich der MSB strikt jeder Gewaltandrohung und -ausübung zu enthalten hat? Erst wenn ein solcher Post kommt, kann ich wirklich von einer objektiven (wenn auch politisch parteiischen) Berichterstattung ausgehen.

Es ist zwar nicht nötig, aber wenn du von meiner Objektivität überzeugt werden willst.

Ich fordere den MSB auf sich jeder Gewaltandrohung und -ausübung zu enthalten!

Und jetzt fordere ich dich auf, Gewalt in jedem Kontext zu abzulehnen, nicht nur im politischen.
Dazu kommt, dass nicht der MSB wie von dir befürchtet ein Bild von der JuSo-HSG zeichnet, in dem von JuSo-HSG Mitglieder Gewaltandrohungen (verbalen und körperlicher Art) ausgehen. Nein, von einem Ex-JuSo wurde während einer Sitzung im letzten Jahr berichtet, dass er einen Hausbesuch von eurer Gruppe erhalten hat, bei dem er sich bedroht fühlte.

Vielleicht überdenkst du nochmal ob es wirklich im Interesse der Studierendenschaft ist, wenn wir (der AStA und ich) unsere Zeit damit verschwenden über nicht existente Dinge zu diskutieren, oder ob wir uns nicht lieber mit den Problemen der Studierendenschaft auseinander setzen sollten.

Mit den besten Wünschen für 2007
Björn Wörffel

Ebenfalls.

[*] Namen ausgelassen: Ich kann nicht mit Sicherheit sagen kann, ob es sich dabei um Personen öffentlichen Interesses handelt.