Populismus über den sich der
Rektor freuen kann

Parole: Wir zahlen - wir fordernStolz wie Oskar präsentierten sich die AStA-Vorsitzenden am Mittwoch den MitgliederInnen des Studierendenparlaments (SP). Es wurden Kopien von den Artikeln der Rheinischen Post und der Westdeutschen Zeitung rumgereicht. Zu lesen waren so tolle Schlagzeilen wie „Studentenprotest wirkt“ und „Labisch verspricht Sofortprogramm“.

In den Artikeln ist davon die Rede, dass der Rektor 120.000 Euro bereitstelle,
um den Stellenpool — vor allem den der Problemfächer Germanistik, Anglistik und Kunstgeschichte — kurzfristig aufzustocken.

Wieso sich der AStA diesen Erfolg auf seine Fahnen schreibt

Auf Grund der überfüllten Veranstaltungen zu Beginn dieses Semesters sind Erstis zum AStA gegangen und haben sich beschwert.
Daraufhin wurde kurzfristig eine Demonstration vor der Uni-Bibliothek für letzten Dienstag, 13:00 Uhr angesetzt. Die rund 100 BesucherInnen dieser Demonstration sind dann vor’s Rektorat gezogen, um Ihre Forderungen nach besseren Studienbedingungen zu formulieren.

In der Berichterstattung der Presse und des AStA-Vorstands wird ein direkter Zusammenhang zwischen den zur Verfügung gestellten Geldern und der Demonstration hergestellt.

Doch eine spannende Frage bleibt:

Der Rektor als Retter in der Not?

Mit Sicherheit nicht! Wenn ich richtig informiert worden bin, wurden die 120.000 Euro schon eine Woche vorher auf der Fakultätsratssitzung bewilligt. Es hätte mich ja auch mal sehr gewundert, wenn der Rektor einfach so Geld verschenkt. Dennoch steht er jetzt als Gönner in der Öffentlichkeit, der als Mann der Tat schnell und erfolgreich auf das Problem reagiert hat.

Nicht ohne Grund haben auch die Studierenden eine positive Presse erhalten: Es wurde hiermit eine neoliberale These untermauert: wenn StudentInnen zu KundInnen werden, dann steigt die Qualität der Lehre. Andernfalls hätte man als seriöseR JournalistIn mal nachgehackt, wie man so schnell das Geld locker machen konnte.

Wo ist das Problem?

Jetzt kann man natürlich sagen, dass außer einem verpassten Mittagessen kein weiterer Schaden entstanden sei.

Ist er aber doch: Die Demonstration prangerte die schlechten Bedingungen an der Philosophischen Fakultät an.
Von dieser ist bereits seit längerem bekannt, dass sie zusammengeschrumpft werden soll. Im Zuge der Umstrukturierung der Uni werden nur noch Fakultäten gefördert, die hohe Drittmitteleinnahmen haben. Zu diesen gehört die Phil. Fak. nicht.

Um diese Pläne zu begründen bedarf es für den Rektor aber noch weiterer Argumente. Die Demonstration liefert ihm eine Steilvorlage, um als ersten Schritt die Zahl der Studierenden zu verkleinern.

Dies formulierte bereits Dekan von Alemann:

Für von Alemann ist die Linie klar: „Wir wollen nicht wieder zurück zur überfüllten Massenuni der 70er und 80er Jahre.“ Deshalb müsse über den Numerus Clausus ab dem kommenden Jahr die Zahl der Erstsemester wieder deutlich gesenkt werden […]

Heißt es dazu in der WZ.

War dem AStA das nicht klar?

Sicher hätte man über die Konsequenzen der Demo nachgedacht, nur teil man diese Befürchtungen eben nicht, hieß es dazu vom AStA-Vorstand Philipp Tacer (JuSo-HSG) in der SP-Sitzung am Mittwoch. Klar ist jedoch, dass Tacer jede Gelegenheit nutzt, um sich zu profilieren. Während man Rainer Matheisen (LHG) vielleicht noch Narrenfreiheit gewähren kann — in seiner naiven Art und Weise glaubt der wohl tatsächlich, er könne beim Rektor mehr Dozenten durchboxen — kann man Tacers Verhalten nicht anders als mit Populismus bezeichnen. Tacer, der schon lange Senator ist und weiß wie es um die Denkweisen des Rektors steht, sollten die Konsequenzen einer solchen Veranstaltung doch eigentlich klar sein.

Gerne würde ich mit dem Rektor tauschen, denn wenn man solche Gegner hat, dann braucht man keine FreundInnen mehr.

In diesem Sinne:

Gute Nacht Phil. Fak.!

Der AStA-Vorstand