Brief an den Rektor (Update)
Dienstag, September 11th, 2007Die LHG hat im Wahlkampf mit dem Slogan geworben:
Rückmeldefristen: zweimal zahlen in 4 Monaten? Nicht mit uns!
Wie das “Nicht mit uns!” aussehen sollte wurde nach der Wahl klar. Der geniale Einfall war eine Unterschriftenaktion. Unterschrieben wurde jedoch keine Liste, sondern ein Brief an den Rektor.
Das Thema vorverlegte Rückmeldefristen ist bei den Studierenden ganz offensichtlich ein Thema. Das zeigt nicht nur das Wahlergebnis sondern auch die Tatsache, dass (laut AStA-Vorstand) 1500 Briefe in drei Tagen zusammenkamen. Das ist umso erstaunlicher, da auf den Plakaten, die für die Aktion werben sollten nicht mal die Internetadresse drauf stand geschweige wo man sich sonst hätte informieren können um mitzumachen.
Was nicht verwundert, ist das die Leute den Brief nicht genau gelesen haben. Andernfalls wäre der Aufschrei sicher größer gewesen. Die einzige Forderung die der Brief enthält ist die Forderung nach einer Antwort des Rektors ob er denn den Kompromissvorschlag des AStAs annimmt. Dieser Kompromissvorschlag sieht vor, die Rückmeldefristen auf den 15. August zu legen.
Noch schlimmer ist jedoch die “Drohung” die Studierende dem Rektorat schicken sollen:
Sollten Sie kein Entgegenkommen zeigen, werde ich mich auch unter Umständen exmatrikulieren müssen und würde damit als so genannter „Kunde“ der Heinrich-Heine-Universität verloren gehen. Zudem bitte ich um eine ausführliche Stellungnahme, wie Sie konkret die Kommunikation mit den Studierenden sowie die Lehrsituation verbessern wollen.”
Man kann sich drüber streiten, ob Studierende besser behandelt würden, wenn sie Kunden wären. Lassen wir uns aber mal einen Moment lang auf diese Denkweise ein. Ein Kunde droht ein Produkt (hier das Studium) nicht zu den angebotenen Konditionen zu kaufen, in der Hoffnung damit bessere Konditionen zu erreichen. Ist diese Hoffnung berechtigt? Ja, wenn der Verkäufer erstens darauf angewiesen ist diesen Kunden zu behalten und wenn der Käufer das Produkt nicht braucht bzw. auch woanders kaufen kann. Ist dieses im Fall eines Studiums der Fall? Natürlich nicht. Das Rektorat ist auf ein paar tausend Euro nicht angewiesen. Die Studierenden können aber nicht mal eben einfach woanders Studieren. Also eine leere Drohung. Kein Studierender würde sich freiwillig exmatrikulieren. Es wäre ja nicht in seinem Sinne. Man fragt sich schon ob der AStA-Vorstand sich wirklich bewusst ist, warum er diese Aktion überhaupt macht.
Hat der AStA-Vorstand alternativen zu dieser Drohung gehabt? Sicher. Man hätte dem Studierendensekretariat mit erhöhtem Verwaltungsaufwand drohen können. Denn wenn die Rückmeldefrist abläuft, ist noch nicht jeder Studierende exmatrikuliert der bis zu diesem Datum nicht bezahlt hat. Erst muss die Uni Mahnbescheide rausschicken. Es hätte ja sein können, dass der Studierende die Zahlungsaufforderung nicht erhalten hat.
Der AStA-Vorstand hätte also drohen können jedem Studierenden zur Seite zu stehen, der rechtswidrig ohne vorherige Mahnung exmatrikuliert wird. Statt dessen muss man sich fragen, ob der Brief nicht sogar ein Grund ist um Studierende ohne vorherige Mahnung zu exmatrikulieren (ich gebe zu, dieser Gedanke kam mir erst beim schreiben).
Wie es ausschaut will der Rektor “intern” die Mahn-Fristen nach hinten schieben. Das ist abhängig von der Zahl der betroffenen. Der AStA-Vorstand verkauft dieses als Erfolg, auch wenn dies kein Erfolg in den Medien sei. Ob dem so ist kann man noch nicht einschätzen. Man wird es anhand der Studierendenzahlen sehen.
Zur Übergabe der Briefe hat ein Team des OASE-Magazins einen kleinen Film gedreht. Leider war der Rektor für ein Interview nicht zu haben. Der Film spiegelt auch ganz gut wieder wie viele Leute von der Brief-Aktion überhaupt etwas mitbekommen haben.
Mehr zum Thema auch unter www.oase-magazin.de.
Mich erreichte ein Kommentar einer Studentin, den ich gerne veröffentlichen würde.
Ein Brief an den Rektor – meine Meinung
Im Laufe der letzten zwei Wochen vor Ende des Sommersemesters 2007 fand eine Protestaktion gegen den für uns Studenten ungerechten Vorzug der Rückmeldefrist um zwei Monate statt. Diese Aktion wurde vom neu gewählten SP organisiert. Es wurden (auch in den Vorlesungen) vor formulierte Briefe verteilt, die von den Protestteilnehmern nur noch unterschrieben werden mussten und anschließend vom AStA-Vorsitzenden Philipp Tacer und dem stellvertretenden AStA-Vorsitzenden Rainer Matheisen im Studierendensekretariat eingeworfen wurden. Um die Resonanz zu erhöhen, wurde im Vorfeld dieser Aktion bereits eine ganze Woche vorher per Plakat Werbung gemacht.
Soweit ist das ja schön und gut, aber: liebes SP warum wird diese Aktion erst neun Tage vor Ende der neuen Rückmeldefrist durchgeführt, wenn dass doch schon seit Anfang Mai bekannt ist? Die Begründung, dass ja Wahlen waren zählen dabei nicht, da ,wie bereits erwähnt, Anfang Mai bekannt wurde, dass die Rückmeldefrist vorgezogen wurde. Falls das Eure einzige Begründung für die doch arg späte Aktion sein sollte, dann frage ich mich, warum Euch Euer Wahlkampf wichtiger ist, als das Wohl der Studenten, die Euch Wählen sollen.
Und warum wird eine Protestaktion erst eine Woche vorher angekündigt? Habt ihr vergessen, dass ihr die Aktion durchführen wolltet? Oder beschließt Ihr Protestaktionen eher spontan? Denn Aktionen gegen die Studiengebühren werden/wurden ja auch nicht besser angekündigt (z.B die kleine Demonstration im Wintersemester 06/07, die am Donnerstag davor in einem winzig kleinen Vermerk des Campus Delicti angekündigt und zwei Tage vor besagter Demonstration dann auch via Plakaten publik gemacht wurde. Diese mangelnde Publicity führte dann auch zu mangelnder Resonanz)? Oder sind auch hier wieder die (zu dem Zeitpunkt noch) anstehenden SP-Wahlen und der damit verbundene und sicherlich auch notwendige (Das ist ernst gemeint!) Wahlkampf schuld (der viel viel Platz an den Wänden der Universitätsgebäude eingenommen hat)?
Ich meine, dass lustigste an den ganzen Aktionen ist doch, dass hinterher im Campus Delicti darüber gemeckert wird, das niemand an den Aktionen teilnimmt. Aber wenn man sowieso, wie ein gewisser jemand vom LHG, den ich jetzt hier nicht namentlich nennen will, davon ausgeht, das die ganzen Aktionen nichts bringen, dann ist es viel einfacher, nur ein ganz kleines bisschen vom Budget in die Protestaktionen zu investieren und sich dann nach erfolgreichem Scheitern selbiger Aktionen als Märtyrer für alle Studierenden darzustellen, weil man ja wenigestens versucht hat, etwas zu bewegen, was aber dank der undankbaren, unpolitischen und gleichgültigen Studenten scheiterte…. Der Rest des Budgets steht dann wunderbarerweise für den Wahlkampf für die nächsten SP-Wahlen zur Verfügung und dann kann man sich auch tolle Plakate, wie die vom LHG mit den Fotos auf Hochglanzpapier in großen Massen leisten. Oder mal eben schnell neue Plakate drucken, die das Wahlprogramm anderer Listen auf eine feige Art und Weise ad absurdum führen.(Grüße an Erec den Roten)
Ist natürlich so viel besser, weil man sich dann nicht mit dem Rektor auseinander setzen muss, seine Ruhe hat und trotzdem vor den restlichen Studenten als tragischer Held dasteht und zumindest offiziell seinen Aufgaben nachkommt.
Es mag zwar alles ziemlich übertrieben klingen, aber so sieht das Handeln des AStAs für mich als normalsterbliche Studentin aus, die sich darüber wundert, dass der AStA, der doch Belange der Studierenden vertreten soll, das auf eine scheinbar so scheinheilige Art und Weise tut und sich lieber darum kümmert, was die Öffentlichkeit von ihm denkt, als wirklich was zu tun, damit sich was an den Studiengebühren ändert.
Michelle Butzki (Germanistik, Antike Kultur)