Archiv für Januar 2008

Freude, Jubel, Propaganda.

Montag, Januar 28th, 2008

Auf der AStA-Homepage findet sich Folgendes:

Lohn harter Arbeit
Um das NRW-Semesterticket möglich zu machen, waren lange harte Verhandlungen und Überzeugungsarbeit nötig. Marc André Rosema, AStA-Referent für das NRW-Semesterticket gab sich nach der Vertragsunterzeichnung erleichtert: „Nach einigen Verhandlungen, die sich über das gesamte letzte Semester erstreckten, haben wir zusammen mit der Rheinbahn und der Universitätsverwaltung an einem Strang gezogen und so letztendlich erreicht, was wir wollten.“ Es sei nicht immer leicht gewesen und nicht nur die Verkehrsverbünde hätten überzeugt werden müssen, sondern auch die Verwaltung der Universität. „Aber seit der Vollversammlung der Studierendenschaft der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf im letzten Jahr wussten wir alle, dass wir hier Rückendeckung haben. Das Ergebnis werden wir alle ab dem Sommersemester in den Händen halten.“

Dass die Verhandlungen über das Landes-ASten-Treffen statt fanden wird natürlich nicht erwähnt. Auch wurde nicht erwähnt, dass sich der AStA-Vorstand zunächst gegen die Vollversammlung gewehrt hat, und man das Semester-Ticket einfach im Studierendenparlament beschliessen wollte. Genauso wird verschwiegen, dass es an anderen Universitäten Urabstimmungen zum Thema NRW-Ticket gab.

Auch die Vertreter der Verkehrsunternehmen zeigten sich hocherfreut über das Zustandekommen des Vertrags mit der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. So sagte der Vertriebsleiter der Rheinbahn Reinhardt Rötgerkamp: „Die Rheinbahn ist stolz darauf, die Verhandlungen gemeinsam mit dem AStA und der Hochschulverwaltung so zügig voran getrieben zu haben, Wir sind damit die ersten in NRW – wie es sich für eine Landeshauptstadt gehört!“

Steht nicht ein Absatz vorher, dass die Verkehrsverbünde überzeugt werden mussten? Das es so zügig (”fünf Euro in die Wortspielkasse du Arsch”) voran getrieben wurde liegt natürlich am mangelnden Demokratieverständnis und an der bequemlichkeit der AStA-Verantwortlichen. Vielleicht spielt aber auch noch ein anderer wichtiger Faktor eine Rolle: Sich die Einführung des NRW-Semestertickets auf die Fahne schreiben zu können, verspricht einiges an Wählerstimmen. Doch dann, sehr geehrter Hossein und sehr geehrter Herr Rosema, würde ich weniger dick auftragen.

Offener Brief an den AStA der HHU Düsseldorf und die Redaktion von „campus delicti“

Mittwoch, Januar 9th, 2008

Folgendes hat mich heute erreicht. Ich kopiere es hier einfach mal rein:

Offener Brief an den AStA der HHU Düsseldorf und die Redaktion von „campus delicti“
(Betrifft: Letzteres)

Liebe Mitstudierende,

ich hatte soeben Gelegenheit, die aktuelle (PDF-)Online-Version des „Wochenmagazin(s) des AstA“ (Nr. 258, Dezember 2007)* zu studieren und fühle mich daraufhin bemüßigt, dazu folgenden Kommentar zu schreiben.

Meine subjektive Gesamteinschätzung vorweg: Diese Publikation hat m.E. das Niveau einer schlechteren Schülerzeitschrift, gemacht von unkritischen Mittelstuflern, und ist einer universitären Studierendenschaft und deren Vertretung nicht würdig.

Dieses harte Urteil möchte ich wie folgt begründen:

(1) Der Titel: „campus delicti“ – zu deutsch also „das Feld (oder meinethalben: der Campus“) des Verbrechens“. Was soll dies nun genau bedeuten? Wenn es darum ginge, diverse empörende bis nichtlegale Missstände an unserer Uni aufzudecken und anzuprangern, hätte der Titel womöglich seine Berechtigung; angesichts der Inhalte (s.u.) handelt es sich allerdings wohl eher um ein ziemlich unreflektiertes, mithin kindisches Wortspiel.

(2) Das Editorial: ein völlig hanebüchenes, unmetrisches und reimunsauberes, zudem mit Fehlern durchsetztes „Gedicht“ (Kotz(!)probe: …denn alle die Langeweile haben,/ finden hier ganz schöne Frage…“); überhaupt ist die Zahl der orthographischen Fehler im „cd“ bemerkenswert.

(3) Beitrag „Heiligabend“ (S.7): Ein völlig unkomischer und überflüssiger Artikel darüber, dass es Heiligabend immer so langweilig sei, weil im Fernsehen nur Wiederholungen kommen und die Geschäfte alle zu sind… es fogt das offenbar studierendengerechte Gegenmittel:

(4) „SPASS“ (S.10 – 14): Eine „tolle Doppelseite“ mit unoriginellen Kreuzworträtseln und einem Wörtersuchrätsel (die zu findenden Wörter sind daneben angegeben), ein seitenfüllendes Schneemann-Foto und dann ein ebenfalls seinengroßes „Bastelset Schneemann“ zum Ausschneiden, wie es auch im „Bussi-Bär“ oder anderen Vorschulpublikationen zu finden sein könnte – absolut ironiefrei… dazu noch die Auflösungen der Kreuzwort- und Wörtersuchrätsel;

(5) noch mehr „SPASS“ (S. 15): „Instant Snow“, soll heißen: Schneeflocken (= unförmge Kreise) zum Ausschneiden und In-die-Luft-werfen, wieder eine ganze Seite lang;

es folgen ein zwei Seiten langer, immerhin halbwegs informativer (wenn auch nicht gerade „wissenschaftlicher“) Bericht über internationale Neujahrsbräuche und –grüße sowie diverse Veranstaltungshinweise.

Es sei nicht verschwiegen, dass immerhin auf einer Seite (3) ein HHU-Thema (SP-Sitzungsbericht) und auf weiteren drei Seiten überregionale Uni-Themen abgehandelt wurden, dazu auf weiteren zwei Seiten nicht-unispezifische, allgemeinpolitische Beiträge erschienen (allerdings auch eher im Stile einer WZ-Nachricht: in augenfreundlichem Großdruck, mit großen Bildern und wenig Text). Tiefer schürfende politische Analysen finden sich allerdings nicht, und das finde ich persönlich blamabel und traurig.

Eine AstA-Publikation, die sich über weite Strecken wie eine Mischung aus Bastel- und Rätselheft liest und mit launig gemeinten Befindlichkeitsbeschreibungen garniert ist, mag zu einer Studierendenvertretung passen, die sich nur noch als Service- und Event-Agentur versteht. Ob damit aber wirklich den Interessen ihrer Klientel, eben der zuletzt arg gebeutelten Studierenden, gedient ist, die ja u.a. für diese 20 Seiten in 1.500er Auflage auch Studiengebühren [Anmerkung: Sie zahlen zwar keine Studiengebühren aber den Beitrag von knapp 10 EUR/Semester für den AStA] bezahlen, muss ich stark bezweifeln.

Mit komilitonischen Grüßen

Thomas Movtchaniouk, stud.phil.

*http://asta.uni-duesseldorf.de/wordpress/wp-content/uploads/2007/12/campusdelictinr258.pdf